Verehrtes Publikum, meine Damen und Herren: Wir befinden uns hier im Acht-Bett-Zimmer von ebenso vielen Chaoten im ehemaligen St. Clemens-Kloster, dem heutigen Hostel "Three Little Pigs" in Berlin. Äh, die Namen dieser Schießbudenfiguren verschweigen wir nicht, aus Gründen der gezielten Indiskretion. Jeder hat seine sieben besten Freunde zu einem Silvesterwochenende eingeladen und nur für sich selbst bezahlt. Und ich möchte Ihnen jetzt die Bettbelegungsreihenfolge bekanntgeben: Im auf dem Foto nicht zu sehenden Hochbett ganz links wird Michelle schlafen, im Bett darunter Justin, im linken Hochbett hier auf dem Bild Jacqueline, darunter Jana. Das Bett zur Rechten des Fensters (leider verdeckt) wird von Beeke belegt, während im Hochbett darüber Ole nächtigt. Im penetrant erleuchteten Bett rechts aus Sicht des Fotografiebetrachters macht es sich Andre gemütlich, direkt ein Stockwerk höher haut Philip den Rest des Zimmers und seine Bewohner in die Pfanne. Und schlafen tut er dort auch.
Ähm, meine Damen und Herren, es ergibt sich dabei leider eine kleine Schwierigkeit. Die acht Zeitbewohner dieser heiligen Hostel-Hallen sind nicht mehr die Normalsten, wir feiern hier ein Fest der Freaks, und sie haben ihre besten Freunde längst in den kollektiven Wahnsinn getrieben. Die Letzte haben sie erst wenige Tage vor Reiseantritt mit ins Boot geholt. Dennoch wollen die Acht auf diese Silvesterreise nicht verzichten. Und da die Damen und Herren aus verständlichen Gründen euphorisiert sind, werden sie von dauerwitzelnden und -lachenden Schatten ihrer selbst vertreten. Das ist alle die vorherigen Treffen immer recht gut gegangen, und es wird auch heute wieder gut gehen, denn der Ablauf dieses "Dinner for Eight" ist minütlich ein anderer. Einer wird immer wieder fragen: "One round of Uno?", auf Deutsch wörtlich übersetzt: "'Ne Runde Uno?". Und ein anderer wird antworten: "Yeah...", "Joa" (Wobei eine besondere Betonung auf "Yeah", "Joa" liegt).
Nun, auch das weitere Gespräch zwischen den acht Individuen ist sehr interessant, es ist völlig von Belang. Sie werden also diese ungewöhnlichste Silvester-Reise, die es je gab, ohne Mühe verfolgen können. Ich wünsche Ihnen sehr viel Vergnügen, meine Damen und Herren, verehrtes Publikum, und hier geht's los.
Am 30.12.2011 um Punkt 8:45 Uhr war die Gruppe, bestehend aus Jana, Jacqueline, Michelle, Beeke, Ole, Andre, Philip und meiner Wenigkeit im Oldenburger Bahnhof zusammengeströmt. Taschen und Koffer machten es sich baumelnd oder hinterhergezogen an unseren Extremitäten bequem, während die Rucksäcke die Wirbelsäulengegend vorzogen.
Ab ging die wilde "Quer-durchs-Land"-Fahrt zunächst mit der Regierungsmaschine unseres Bundespräsidenten, dem RS1 (Er saß zusammengekauert in der Gepäckablage und murmelte Worte wie "Privatkredite" und "Medienhetze" vor sich hin). Leider handelte es sich doch um keinen schienengebundenen Air-Force-One-Ableger, sondern um eine Regio-S-Bahn nach Bremen. Weitere Umstiege der Nahverkehrtuckelei waren Uelzen, Stendal und Rathenow. Wem diese Ortsnamen schon von einem anderen Blog bekannt vorkommen, dem ist bewusst, dass die Zugfahrt für Jana und mich besonderen, emotionalen Charakter hatte. Schließlich hatten wir diese Städte, sowie die Zwischenhalte Hude, Achim, Soltau, Munster, Wieren, Salzwedel, Schönhausen und Wustermark, vor etwas über vier Monaten weitestgehend per pedes erkundet. So manches freudige Erinnerüngchen sauste durch unsere Köpfe, als wir es in Richtung Osten taten: "Ah genau, hier war...", "Und hier haben wir...", "War das nicht da hinten, als..." und "Ich glaub' da könnte ... gewesen sein. Der Baum da sieht so aus, wie der eine auf dem einen Foto" waren dementsprechend nur einige der Satzanfänge in unseren Dialogen.
Am Hostel angekommen, an einer erleuchteten Figur der Mutter Gottes vorbei, machten wir uns nach Erhalt der weißen Plastikzimmerkarten mit diesem zusätzlichen Gewicht auf in den fünften Stock, zu unserem Zimmer 507. Der Fahrstuhl, der wohl eher ein umgebauter Speiseaufzug war, machte sich mit drei Damen unserer Reisegruppe auf die Reise. Gut, dass wir restlichen Fünftstöckler die Treppe vorzogen, schließlich stellte der Aufzug von Zeit zu Zeit gern neue Negativ-Rekorde in Sachen Geschwindigkeit auf. Ein Teil unserer Gruppe ist glaube ich noch heute in dem Schacht verschollen.
Merklich aus der Puste war auch das Finden des Zimmers ein kleines Abenteuer. Durch finstere bzw. gekonnt mystisch ausgeleuchtete Korridore in den verwinkelsten Formen behielt man in dieser Hostel-Version des Overlook-Hotels aus "Shining" kaum den Überblick (Wortwitz bemerkt? Overlook - Überblick?). Der Irrgarten aus dünnen Fluren führte uns dann aber doch noch zu der orangenen Holztür, hinter der wir für die nächsten Tage Rabatz machen sollten.
Nach erfolgreicher Einnahme des Gebietes und der Verteilung der Betten und Schränke ging's erstmal zum Krisengipfel in der Lobby mit dem Thema "Abendessen". Die Gemeinschaftsküche in der vierten Etage des Hostels stand uns zur Verfügung, und das sollte ausgenutzt werden, soviel war klar. Jana erklärte sich bereit alle Menüs der Welt auf Zuruf zuzubereiten. Ein Umstand, der unsere Mägen noch freundlicher grummeln ließ und ihr die Rolle der "Mama" unserer achtköpfigen Patchworkfamilie zuteilte (Nicht deine Lieblingsrolle, ich weiß, Jana). Der Klassiker Pfannkuchen wurde aus unerfindlichen Gründen mehrheitlich abgelehnt, selbstgemachte Pizza sollte das Nahrungsmittel der Stunde sein. Ein kleiner Einkauf beim nahegelegenen ALDI klärte die Situation, auch Sekt für den Silvesterabend landete schonmal im Einkaufswagen.
Nach souveräner Zubereitung von drei verschiedenbelegten Blechen, noch souveränerem Verputzen dieser in unserem Zimmer und ebenfalls gekonntem Einräumen der Gemeinschaftsküchenspülmaschine machten wir uns zusammen auf den Weg zum Brandenburger Tor. Es war deutlich Abend geworden, die Stadt lebte friedlich vor sich hin. Diese Ruhe vor dem Sturm mussten wir noch einmal genießen, bevor einen Tag später (so schon unsere Vorstellungen) sicher das heillose Chaos ausbrechen würde.
Die große Bühne war natürlich schon aufgebaut, den ganzen Tag über probten bereits vereinzelt Künstler. Kameras, Mikrophone, sowie das Soundsystem wurden eingestellt für eine der größten Silvesterpartys der Welt, die größte und meistbesuchte Deutschlands. Anstatt den Technikern ins Handwerk zu pfuschen beschränkten wir uns bei einem Spaziergang auf Gruppenfotos und kleinere Blödeleien um den Potsdamer Platz, das Brandenburger Tor, den Reichstag (Nicht nur
Schriftverkehr zwischen Beamtinnen und Beamten in der Gegend!), das Kanzleramt ("Entschuldigung, wir sind die neuen Nachbarn, haben Sie vielleicht etwas Zucker für uns, Frau Merkel?") und den Hauptbahnhof.
Nach der S-Bahn-Tour zum Hostel bequatschten wir noch ein bisschen den Plan für den großen Tag, bevor wir ein Stück weit erschöpft in unsere Kissen fielen. An diesem Abend war es noch ruhig.
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Obligatorisches Gruppenbild vorm Brandenburger Tor.
(Der Dritte von links hat sich selbst auf das Foto geschummelt) |
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Blinzelnd nahm ich am nächsten Tag gegen 8 Uhr morgens wahr, dass im Einklang mit meinen Erwartungen noch keiner wach war. Außer mir meine ich natürlich. Doch schon eine halbe Stunde später regte es sich im Bett über mir. Michelle war wach, ein Gesprächspartner gefunden! Wir setzten uns an den Tisch und flüsterten so über Gott (schließlich waren wir im Kloster!) und die Welt, bis sich vereinzelt Menschen um uns herum regten. Ich brachte Jacqueline ihre Brille vom Schrank, die ich am Abend zuvor auch dienstbotengleich dorthin gebracht hatte. Mein Nebenjob für diese vier Tage! Kurz konnten wir auch sie in unser Gespräch einbinden, doch der Funke zum Aufstehen wollte nicht überspringen. Gut, dann sind Michelle und ich eben Brötchen holen gegangen.
In einer ominösen selbsternannten "Bäckerei", in der es fast ausschließlich Aufbackbrötchen zu kaufen gab, bestellten wir die Frühstücksgrundlage inklusive einiger Sonderwünsche à la Weltmeister- oder Sesambrötchen. Zwar gab es das Ganze nur in einer dünnen Plastiktüte, aber der Laden war so sauber, dass man ohne Probleme vom Boden hätte essen können.
"Guten Morgen, meine Damen!", schallte ich ins Zimmer als wir mit den erlegten Getreideprodukten zurückkehrten. Viel hatte ich nicht erwartet, aber ein komplettes Zimmer noch/erneut schlafend aufzufinden, nun auch nicht. Irgendwie bemühten sich die Herrschaften dann allerdings doch aus den Federn und wir machten uns ein nettes Frühstück mit "ausgeliehenem" Besteck aus der Gemeinschaftsküche.
Ein nächster Spaziergang führte uns dann gut genährt in Richtung Alexanderplatz, also einfach immer dem Fernsehturm nach. Erstmals trennte sich unsere Gruppe, denn Jacqueline wollte sich im Hauptbahnhof auf die Spuren ihrer auf der Hinreise verlorengegangenen Tüte begeben (Inhalt: Kulturbeutel, Handtücher, Stabmixer), während es Philip und Andre bereits nach Fleisch gelüstete, wohingegen der Rest der Truppe einen Asiaten zum Mittagessen ins Auge gefasst hatte (Ein Fast-Food-Restaurant, keinen lieben Mitbürger!).
Ich schloss mich also Jana, Michelle, Beeke und Ole an, um bei "Happy Noodles" einzukehren, einem durch die Bank weg zu empfehlenden Lokal. Sehr günstig, frisch und lecker waren meine Nudeln mit Ente, und ich habe mir sagen lassen, dass auch das Sushi dort nicht von der Bettkante zu stoßen ist. Also hin da!
Ein wenig durchgefroren zurück im Hostel, kamen wir auf die Idee heißen Kakao mit Baileys zuzubereiten. Mit einem großen Kochtopf, Milch, Schovit-Fertigpulver und einigen Schüssen des Alkohols wurde es schnell warm im Zimmer 507, nachdem wir das komplizierte Mixgetränk in der Küche zubereitet hatten.
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Die Bühne bei den morgendlichen Soundchecks
und Bildschirmtests. |
Auch an unserem Silvester durfte selbstverständlich der TV-Klassiker "Dinner for One" nicht fehlen. Erst gab es eine improvisierte Live-Version mit ebenso improvisierten Requisiten von Jana "Miss Sophie" und mir, Justin "James". Als Tigerfell musste eine zweifelhafte Kombination aus Jacken und meiner Hose herhalten (das Ganze sah eher aus wie eine Leiche), der Fisch war eine eingerissene Scheibe Mortadella, das Hühnchen eine zurechtgedrückte Scheibe Salami, die Früchte eine Mandarine, und sowohl Sherry, White Wine, Port und Champagne wurden von "Lichtenauer"-Mineralwasser vertreten.
Als das Gag-Feuerwerk kurz vor der Voll-Eskalation war und sich das gellende Gelächter zwischen den begeisterten La-Ola-Wellen der übrigen Zimmergenossen phasenweise durch den Raum schob, war es Zeit das Stück in der original NDR-Aufzeichnung zu sehen. Dank Philips Laptop kamen wir in den Genuss von Frintons und Wardens brilliantem Spiel. Fast so gut wie unseres jedenfalls.
Inzwischen gingen draußen schon die ein oder anderen Raketen und Böller in die Lüfte, es war immerhin auch schon 18:30 Uhr. Die Mädels machten sich fertig, während wir Herren der Schöpfung klischeeerfüllend schon bereit zum Abmarsch waren.
Obwohl wir ja nun relativ spät in die Nähe des Brandenburger Tors rückten, kamen wir überraschend gut und nah an die Bühne heran. Ein bisschen was zu spachteln und schlürfen musste auch noch sein, bevor wir unseren festen Stehplatz bis zum Jahreswechsel einnahmen. Aufgrund der horrenden Preise schmeckte alles doppelt so gut.

Die ersten Künstler betraten die Bühne schon weit vor der ZDF-Fernsehaufzeichnung ab 21:45 Uhr, so zum Beispiel Ausnahmesänger Ben Jaimen, dessen Songs ausnahmslos begeisterungsarme Reaktionen hervorriefen. Auch ein kleiner Kinderchor mit einer "We Are The World"-gleichen Schmonzette konnte seine Bemühungen nicht retten. Cassandra Steen machte ihre Sache mit ihren insgesamt drei über den Abend verteilten Auftritten schon deutlich besser. Dezent wurde man durch animierte Werbebanner auch daran erinnert, wer die Veranstaltung hauptsächlich finanziert hat. Seitdem fahre ich nur noch in meinem neuen VW-up! zu meinen Weight Watchers-Treffen, mit zwei Flaschen Coca Cola in den Getränkehaltern.
Auch die anderen Künstler, anmoderiert von Mirjam Weichselbraun und Joko & Klaas verkürzten uns die Zeit bis zum Ende von 2011. DJ Ötzi, DJ Bobo, Frida Gold, Johnny Logan, Marianne Rosenberg, Kim Wilde, The BossHoss und die Hermes House Band waren dabei die prominentesten Vertreter. Schnell ging sie herum, die letzte Zeit in diesem Jahr, bevor dann um 23:45 Uhr Großmeister Udo Jürgens auf die Bühne kam und in einem Medley zeigte, dass mit 66 Jahren das Leben wohl wirklich erst anfängt.
Dann war es soweit: Gemeinsames Runterzählen der letzten Sekunden des Jahres mit einer Million Menschen. Schon ein cooles Gefühl. 2012! Die Raketen stiegen in alle Himmelsrichtungen hinauf, der Himmel war wirklich ein einziges, funkelndes Farben- und Lichtermeer. Und dazu kamen fast unbemerkt die Scorpions auf die Bühne, um mit den berühmten Pfeiftönen vom "Wind Of Change" das neue Jahr willkommen zu heißen. Auch Mitsummen von einer Million Menschen ist ein cooles Gefühl.
Trotz großen Andrangs blieb unsere Gruppe gut beisammen, bis auf Beeke und Michelle, die sich bereits einige Stunden zuvor abgekapselt hatten, um das Feuerwerk von einer Brücke möglichst gut bestaunen zu können. Umarmungen und schöne Wünsche im Freundeskreis mitten in der riesigen Silvestermeute waren die perfekte Kombo von persönlich und groß feiern.
Als die Scorpions auch nach nur drei Songs ihre Gitarren beiseite legten, stürmte DJ Ötzi erneut auf die Bühne um den Menschen mit seinem "Stern" Gutes zu tun. Daraufhin half dann nur ein Apfelpunsch und der Rückweg ins Hostel, um dort gemeinsam mit unserem Sekt anzustoßen.
Dieser Rückweg war mehr eine Mischung aus Arabischem Frühling und Drittem Weltkrieg als eine beschauliche Silvesternacht. Scherben und Feuerwerkskörper en masse auf den Straßen, vereinzelt umherliegende Menschen, Sirenengeheul. Doch im Zimmer war's wieder erstaunlich ruhig.
Ein gemeinsames Hoch also auf 2012, als wir Michelle und Beeke schließlich wiedertrafen. Den Sekt schenkten wir dafür in unsere leergetrunkenen Kakaobecher, die auch schon beim "Dinner for One" zum Einsatz gekommen waren. Skál und Cheerio, allerseits! Gut gelaunt ging es dann nach einigen Gesprächen und dem Beobachten vom Geschehen in der Dusche durch das Fenster gegenüber allerdings relativ schnell ins Bett. Gegen 02:30 Uhr lagen wir. Auch an diesem Abend war es noch ruhig.
Morgens um 13:30 Uhr, das Zimmer regt sich so langsam. Während ich natürlich wieder zwei Stunden vorher wach war, verdichteten sich um mich herum die Hinweise, dass dies ein ruhiger letzter Tag im Hostel werden würde. Wurde es dann auch, denn viel war vom Tag ja nicht mehr über. Zwei, drei Uno-Partien also, und schon war's Abend.
Die Gemeinschaftsküche war ausnahmsweise leer, als wir das Abendessen (Nudeln!) diesmal direkt dort zu uns nahmen. Bei der ausgedehnten Uno-Partie mit vollem Bauch entschieden wir uns dann dazu, auch heute Abend noch Berlin zu erkunden. Die Gruppe aus Jana, Michelle, Beeke und Philip wollte sich erneut zu "Happy Noodles" kämpfen, um günstiges Sushi abzugreifen. Jacqueline, Ole, Andre und mich trieb es eher zur Siegessäule.
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Nudelzubereitung in der Gemeinschaftsküche hat auch seine
angenehmen Seiten! |
Als wir dort ankamen, zuvor durch das gestrige Festgelände, das nun schon wieder deutlich aufgeräumter war, fanden wir heraus, dass keiner von uns eine Ahnung hatte, aus welchem Grund die Siegessäule erbaut wurde. Fast von einem wütigen Taxi im Kreisel erfasst, errieten wir verschiedene Bildelemente der Reliefs am Sockel. Krieg, Frankreich und Bismarck haben wir so herausgefunden, gar nicht mal so schlecht. Hättet ihr gewusst, dass sie von 1864 bis 1873 als Nationaldenkmal für die Einigungskriege erbaut wurde? Stand dann auf 'ner Infotafel am Rande des Platzes.
Ein mutiger Fußmarsch trieb uns südwärts (die Viktoria auf der Siegessäule blickt nach Westen). Vorbei an den Botschaften von diversen Kleinststaaten wie dem Königreich Bahrain und Luxemburg, landeten wir schließlich an einer U-Bahn-Brücke. Hier meinte ich, wäre Janas und mein Hostel/Hotel von unserer Odyssee gewesen, also war ich überzeugt meine Gruppe dahinführen zu können. Leider war es dann doch nicht da wo gedacht, wir entdeckten lediglich einige locker bekleidete Damen vor einem Stehcafé. Also ab zurück zum "Three Little Pigs"-Hostel, mit kleinem Weg über das zufällig aufgetriebene McDonalds am Potsdamer Platz. Die anderen waren bereits da und hatten Freude. Leider nicht an unserer Darbietung einer "Qué sera"-singenden, betrunkenen Gruppe, sondern irgendwie an Uno.
Es folgten einige seltsame Ereignisse vor dem zu Bett gehen, deren Erwähnung zwar nicht vollkommen peinlich wäre, aber auch nicht gerade Visitenkartenstatus erreicht. Nur soviel: Michelle wurde mit Lippenstift bemalt, Jana setzte sich in Siegerpose auf Michelle, Jacqueline und Jana kämmten sich die Haare zu spiegelverkehrten Zöpfen und spielten siamesische Pippi Langstrumpf, und kaum im Bett tauschten sich die Mädels ungeachtet der anwesenden männlichen Zunft über Frauendinge aus. Achso, und Jana ist in Michelles Hochbett geklettert und hat Jacqueline in ihrem Hochbett bis zum Entsetztensschrei erschreckt. Es folgte eine kleine Verfolgungsjagd durch die obere Hosteletage. Gegen 03:15 Uhr wurde es dann ruhiger, selige drei Stunden Schlaf waren also noch übrig. Von wegen ruhige Nacht!
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| Sanft wurden wir morgens geweckt! |
Perfekt durchkoordiniert war dann allerdings der Morgen, der bis auf eine noch zugeschlossene Küche um 7 Uhr zeitlich perfekt auf unsere veranschlagte Abreisezeit 8:30 Uhr passte. Gut, dass ich einen Tag zuvor ein neues Treppenhaus entdeckt hatte, dass direkt vor unserer Zimmertür nach unten führte. Zwei Flure weniger zu laufen!
Nach einem Frühstück mit Aufbackbrötchen und dem zweckmäßigen Aufräumen des Zimmers machten wir uns pünktlich auf den Weg zur S-Bahn. Jana war bereits vorgefahren, um noch Donuts für die ganze Bagage zu besorgen. Wir trafen sie dann an der Station Friedrichsstraße, bis zu der Michelles Koffer es nur noch in Teilen schaffte. Anstatt ihn hochzuheben, musste sie den Trolly natürlich kindlich die Treppenstufen einzeln herunterpoltern lassen. Das hatte der Griff nicht so gern, murrte nicht lang rum und brach ab.
Die Rückfahrt verlief noch butterweicher als die Hinfahrt, wenngleich einige kleine Stressphasen (Rennen um den metronom in Hamburg noch zu bekommen!) die Entspannung minderten. Doch die Donuts, die wir auf dem Weg durch Brandenburgs Einöde kosteten, entschädigten schon im Vorraus für Einiges. Über Schwerin, Hamburg und Bremen landeten wir am 02.01.2012 wieder sicher in Oldenburg.
Was bleibt mir nach diesem Hammer-Eintrag noch zu sagen, als dass es ein wirklich sehr schönes Silvester war? Ein gebührender Abschluss für ein Jahr voller toller Erlebnisse mit tollen Menschen, vieler Veränderungen und einschneidender Ereignisse. Und das mit einer handverlesenen Auswahl von Freunden, die mein Jahr entschieden so positiv mitgeprägt haben. Mit Jana als unschlagbarer Odyssee-Begleitung, mit Jacqueline, Michelle und Ole unter anderem als beinharter Kern des Abizeitungskomitees, und mit Philip als nach wie vor gutem Kumpel. Und Beeke und Andre sind auch verdammt cool, das ist mal klar.
Es war mir eine Ehre, Leute! Nächstes Jahr Nordpol, 24 Stunden Silvester. Wie wir da die Nudeln zum Kochen bringen wollen, ist mir allerdings noch nicht ganz klar.